Negativeinflüsse auf die betriebliche Weiterbildung
Dass die Mitarbeiter einer Unternehmung, ihr Kenntnis- und Wissenstand bzgl. ihrer Arbeit einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren in der heutigen Dynamik globalisierter Märkte sind, sollte trivial einsichtig sein. Das lebenslange Lernen, die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern müsste demnach eigentlich zu den Primäraktivitäten einer Unternehmung gehören. Die Realität sieht da aber oft ganz anders aus.
Aber woran liegt das, was sind die Hemmnisse, welche die betriebliche Weiterbildung beeinflussen? Die Verdi hat hierzu eine Fallstudie durchgeführt und folgende Gründe zu Tage gefördert. Zunächst einmal scheint die wirtschaftliche Lage ein ausschlaggebender Faktor zu sein. Obwohl theoretisch die Qualifikation von Mitarbeitern, z.B. in Form von Fortbildungen oder gar Umschulungen, die Produktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit einer Unternehmung nachhaltig positiv beeinflussen können, sind dies oft die ersten Mittel, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gekürzt werden.
Des Weiteren wurden betrieblich Umstrukturierungsprozesse als Hemmnis für eine betriebliche Weiterbildung identifiziert. Solche Prozesse finden vor allem dort statt, wo Unternehmenszusammenschlüsse und/oder strategische Reorientierungsprozesse Unsicherheiten darüber auslösen, welche Kompetenzen in zukünftigen Geschäftsabläufen benötigt werden. Dadurch wird eine entsprechende Planung von Weiterbildungsaktivitäten erschwert.
Ein weiterer Grund ist schlicht die fehlende Zeit. Dies ist besonders im Einzelhandel der Fall, wo dünne Personaldecken und hohes Arbeitsaufkommen die zeitlichen Möglichkeiten betrieblicher Weiterbildung begrenzen. Des Weiteren werden die Vorgesetzten als mögliche Hemmnisse angeführt. Ihnen ist die Bedeutung von Weiterbildung durchaus bekannt, sie kann aber unter Umstände in Konkurrenz zu anderen betrieblichen Aufgaben liegen. Auch können Ängste darüber eine Rolle spielen, ob die Genehmigung einer Qualifikationsmaßnahme durch den Vorgesetzten den Verbleib eines wertvollen Mitarbeiters in der Abteilung negativ beeinflussen kann.
Zum Beispiel dann wenn dieser sich anschließend mit einem höheren Qualifikationsniveau entschließt das Unternehmen zu verlassen. Darüber hinaus können auch seitens der Mitarbeiter Ängste bzgl. der Auswirkungen von Weiterbildungsmaßnahmen auf die eigene Karriere oder das Ansehen im Mitarbeiterkreis eine Rolle spielen. Als Beispiel sei hier die Inanspruchnahme von Bildungsurlaub genannt, hier bestehen Ängste unter Umständen Unzufriedenheit oder absichtlicher Entzug aus produktiven Tätigkeiten zu signalisieren.